Ferrari Oldtimer
In der Galaxie der Automobilgrößen leuchtet kaum ein Stern heller als Ferrari, der Hersteller von so vielen der weltbesten Sportwagen, der Motorsportriese und Träger des vielleicht bekanntesten Emblems der Welt. Seite mehr als einem halben Jahrhundert ist das Automobil mit dem Namen Ferrari ein Objekt der allgemeinen Bewunderung. Lange vor seiner Entstehung jedoch gab es den Mann Ferrari, dessen Legende heute, ein Jahrzehnt nach seinem Tod, keineswegs verblichen ist – die ihm eigene Mischung aus Arroganz, Sentimentalität, Hartnäckigkeit und nicht zuletzt eine gewisse geheimnisvolle Aura, die Ferrari selbst ganz offen kultivierte, scheinen noch heute lebendig.
Die Geburt eines Individualisten

Enzo Ferrari
Ferrari sah sich gern als perfekten Individualisten. Sein Ehrgeiz war groß, und sein Ruf als Automobilbauer und Rennsportriese verlieh ihm im Laufe der Jahre einen geradezu aristokratischen Nimbus, doch in Wirklichkeit kam er aus einer gut situierten mittelständischen Familie. Seine Mutter stammt aus dem südlich von Ravenna an der italienischen Adriaküste gelegenen Forli. Sein Vater, Alfredo senior, kam aus dem etwas acht Kilometer von Modena entfernten Carpi. Er hatte sich mit einer bescheidenen Metallwerkstatt neben dem Familiendomizil am Stadtrand von Modena selbstständig gemacht. Es entwickelte sich ein lukrativer Kontakt zur staatlichen Eisenbahn, wobei Alfredo Enzos Erinnerungen zufolge je nach Auftragsvolumen bis zu 30 Leute beschäftigte. Dennoch kümmerte sich Alfredo um alles selbst, angefangen vom Design bis hin zum Verkauf.
Während seiner Jugend teilte sich Enzo mit seinem zwei Jahre älteren Bruder Alfredo junior ein über der väterlichen Werkstatt gelegenes Zimmer. Dort hielten sie Brieftauben und nahmen mit ihnen an Wettbewerben teil, doch beide hatten eigentlich andere Lebensziele. In Enzos Fall wiesen seine Pläne zunächst in eine völlig andere Richtung als jene, die er später einschlagen sollte. Nach dem Wunsch des Vaters sollten seine beiden Söhne Ingenieure werden, Enzo sollte diese Qualifikation offiziell nie erreichen. Während Alfredo ein begeisterter Schüler war, hasste Enzo das Lernen und hätte am liebsten sogleich zu arbeiten begonnen – allerdings nicht mit den Händen. Um seine eigenen Worte zu zitieren: „Ich glaube, ich sollte sofort klarstellen, dass die Lebensziele meiner Knabenjahre der Reihe nach Opernsänger, Sportreporter und schließlich Rennfahrer waren.“

Battista Farina & Enzo Ferrari,
Modena 1963
Es gelang ihm, zwei seiner Ziele zu verwirklichen – leider war ihm der
Ruhm als Opernsänger nicht beschieden. Als Schüler trieb er gern
alle Arten von Sport, vom Geländelauf über Gymnastik, Fechten und
Schlittschuhlaufen. Als Teenager schrieb er Berichte über die lokalen
Fußballspiele für die Gazzetta dello Sport. Wie auch immer seine
Leistungen auf diesem Sektor gewesen sein mögen, er war ein Leben lang
stolz auf sie.
Der dritte Jugendtraum Enzo Ferraris war bereits früh entstanden. Sein
Vater hatte genug Geld, um sich als einer der ersten Einwohner Modenas ein
Auto leisten zu können – in einer Zeit, als solche Dinge in Italien
sehr selten waren. Er erweiterte seine Metallwerkstatt außerdem durch
eine Autowerkstatt, und Enzo fasste dort zuweilen mit an. Während ihm
das Ingenieurstudium nicht zugesagt hatte, war er offensichtlich fasziniert
von Automobilen, und bereits als 13-Jähriger lernte er das Autofahren.
Im September 1908 nahm sein Vater den 10-Järhigen mit ins benachbarte
Bologna, wo beide miterlebten, wie Felice Nazzaro in seinem Fiat das Straßenrennen
von Coppa Florio gewann. Dies war der Augenblick, an dem Enzo klar wurde, dass
der Motorsport in seinem Leben eine Rolle spielen würde.

Sohn Alfredo Ferrari

1929-Enzo Ferrari gründet Scuderia Ferrari

1933-Enzo Ferrari mit den Scuderia Piloten

1920-Ferrari fährt für das Alfa Team (im mittleren Wagen)



