Porsche Oldtimer

Porsche 928 S4GT
„Es muss einfach ein Porsche sein!“ – mit diesen Worten
leiht sich der junge Tom Cruise den 928 seines Vaters übers Wochenende
aus, und viele Kinozuschauer werden ihm beipflichten. Denn Porsche gilt weltweit
als Synonym für superschnelle Traumautos. Seit mehr als einem halben Jahrhundert
liefert Porsche einige der schnellsten und attraktivsten Sportwagen der Welt,
die auch im internationalen Motorsport äußerst erfolgreich sind.
Poster der Edelmarke zieren noch immer die Wände von Jugendzimmern, und
auch bei der Fachpresse genießt Porsche einen vorzüglichen Ruf.
Mehr als ein Jahrhundert nach den ersten wegweisenden Designkonzepten seines
Gründers und Namensgebers verkauft Porsche heute mehr Fahrzeuge denn je.
Und auch im Rennsport ist Porsche noch stärker vertreten als früher.
Die Geschichte von Porsche hat viele Gesichter. Es geht darin nicht nur um
die Entwicklung von schnellen und eleganten Sportwagen, sondern auch um Tradition,
Markenbewusstsein und Sportsgeist – all dies ist unwiderruflich verknüpft
mit den berühmten Modellen von einst und heute.
Die Unternehmenshistorie ist aber auch untrennbar mit zwei Männern verbunden.
Der erste war Ferdinand Porsche, Gründer und Chefdesigner der Firma – ohne
ihn würde Porsche nicht existieren und die Rennwelt wäre in den 20er
und 30er Jahren um einige famose Rennwagen ärmer gewesen. Der zweite ist
sein Sohn und Namensvetter, der kurz Ferry genannt wurde. Er trat in die Fußstapfen
seines Vaters und prägte das Porsche Design von den 50er bis in die frühen
70er Jahre. Unter seiner Leitung wurden viele der begehrtesten und erfolgreichsten
Porsche Modelle geschaffen.
Diese beiden Männer haben mit Unterstützung exzellenter Ingenieurteams
einige der weltweit innovativsten Autos entwickelt, gebaut und auf die Straße
oder Rennstrecke gebracht – von den Anfängen des Motorsports bis
in seine Glanzzeiten. Das war nicht immer einfach; beide landeten deshalb sogar
im Gefängnis. Sie kämpften stets dafür das der Name Porsche
stets den Geist ihres Unternehmens verkörperte.
„
Wir stellen ausschließlich Sportwagen her“- ist ein bekannter Satz
von Ferdinand – und diesem Motto blieben beide treu. Zusammen mit anderen
Mitarbeitern glaubten sie an das was sie taten – eine Einstellung die
sich auszahlte.

Porsche 356/001
Der erste Porsche – der Siegeszug des 356
Mit dem erscheinen von drei der größten Sportwagenhersteller der
Welt kündigte sich in den Jahren unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg
eine neue Ära in der Geschichte des Automobils an. In Italien erblickte
der erste einer langen Reihe von Klassikern das Licht der Welt, die den Namen
Enzo Ferraris trugen, in England kaufte David Brown Aston Martin zum Preis
von 75.000 Pfund Sterling, und in Deutschland ging der lang gehegte Wunsch
von Ferdinand und Ferry Porsche endlich in Erfüllung, einen eigenen Sportwagen
zu bauen.
Der Aufstieg des Familienunternehmens Porsche
Schwieriger hätte für die Familie Porsche die Wiederbelebung ihres
Unternehmens nach demKrieg nicht sein können. Deutschland war geschlagen,
die großen Städte lagen nach denBombenangriffen der Alliierten in
Schutt und Asche, ein Kommunikationsgesetz existierte so gut wie überhaupt
nicht und die Wirtschaft war praktisch bankrott. Einige Mitglieder der Familie
Porsche waren verhaftet worden und saßen im Gefängnis, darunter
Professor Ferdinand Porsche, sein Sohn Ferry und der Schwiegersohn Anton Piech.
Der nunmehr siebzigjährige Professor war zum Zeitpunkt seiner Freilassung
1947 bei schlechter Gesundheit und geistig erschöpft durch Anschuldigungen
der französischen Behörden, in denen fälschlicherweise behauptet
wurde, er sei ein Kriegsverbrecher.
Die Hauptverwaltung der Firma in Stuttgart war von Angehörigen der amerikanischen
Streitkräfte in Beschlag genommen worden. Das Team das für die Entwicklung
des legendären Käfers und des sensationellen Grand-Prix-Wagens der
Auto-Union verantwortlich gezeichnet hatte, litt unter der Schande, Gartengeräte,
alte Kübelwagen und Landmaschinen reparieren und Warten zu müssen.
Die nächsten zwei Jahre änderten nichts an den düsteren Zukunftsaussichten
der Familie Porsche. Die erfolgreichen 30er Jahre lagen weit zurück.
Wie der sprichwörtliche Phönix der aus der Asche stieg, wandte das
Unternehmen jedoch bald seine Aufmerksamkeit wieder ernsthaft der Aufgabe zu,
Kraftwagen zu entwickeln.
Nur – dieses Mal wollte man sie auch bauen.
Ferdinand Porsche hatte den überwiegenden Teil seines Erwachsenendaseins
damit verbracht, für andere zu arbeiten. Vor dem Krieg hatte er viele
erfolgreiche Konzepte unter anderem für Austro Daimler und Daimler Benz
ausgearbeitet, und dabei war ihm klar geworden, dass seine Arbeitgeber an seiner
Arbeit beträchtlich mehr verdienten als er selbst.
Zu dieser Zeit war Porsche jedoch bereits jenseits der fünfzig, und der
Pragmatiker sah sich als begabten Ingenieur, der keine Zeit für die Streitereien
und internen Vorgänge großer Unternehmen hatte.
Das erste Porsche-Konstruktionsbüro entwarf alles, was nur irgendwie
mit Transport zu tun hatte
Vor dem Hintergrund der weltweiten Rezession und einer galoppierenden Inflation
gründete er am 25 April 1931 sein eigenes Konstruktionsbüro, das
Porsche-Konstruktionsbüro für Motorfahrzeug-und Wasserfahrzeugbau,
das bereit war, alles zu entwerfen, was nur irgendwie mit Transport zu tun
hatte: Straßenfahrzeuge, Züge, Boote und Flugzeuge.
Das kleine Team arbeitete an verschiedenen Projekten, unter anderem für
die Entwicklung von Kleinwagen für die Motorradhersteller Zündapp
und NSU, von denen jedoch keiner in Serie ging, sowie an dem Grand-Prix-Wagen
der Auto-Union und dem luftgekühlten Volkswagen.
Porsches Leidenschaft galt Sportwagen und dem Motorsport
Porsches Leidenschaft waren allerdings Sportwagen und der Motorsport. Vor gut
sechzig Jahren war für ein kleines und finanzschwaches Unternehmen die
Erfüllung dieses Traums – einen Sportwagen zu entwickeln und zu
bauen, der den Namen Porsche tragen sollte – auch nicht einfacher als
heute. 1939 hatte Porsche es mit dem Typ 60K10 fast geschafft, einem 1,5-Liter
Coupe mit stromlinienförmiger Leichtmetallkarosserie auf der Basis von
Boden- gruppe und Fahrwerk des Volkswagens. Der 60K10 war für die Teilnahme
an der Rallye Berlin – Rom vorgesehen, jedoch wurde das Projekt nach
dem Bau von gerade einmal drei Fahrzeugen eingestellt, weil das Rennen wegen
des Krieges ausfallen musste. Nichtsdestoweniger hat der Berlin – Rom
Wagen seine Bedeutung: Er markierte den geistigen
Wendepunkt des Professors und bereitete den Boden für das Projekt Nummer
356 – den ersten Wagen mit dem Namen Porsche.
Der erste Entwurf der Firma war ein 2,1-Liter Wagen für Wanderer. Weil
der Professor demEindruck vorbeugen wollte, seine frischgebackene Firma sei
nie zuvor in der Automobilentwicklung tätig gewesen, erhielt dieses Projekt
die laufende Nummer 7 statt 1.
Daraus folgt natürlich als am 11. Juni 1947 mit der Arbeit am 356 begonnen
wurde, es sich dabei keineswegs um die 356ste Porsche Entwicklung handelte,
sondern um die 349ste.
Zieht man den beachtlichen Ruf des alten Herrn in betracht – er hatte
in den 20er Jahren einige der besten Rennsportwagen konstruiert -, erscheint
dieser Trick eigentlich überflüssig, aber Porsche war vorsichtig.
Er ging davon aus das einige potentielle Kunden wegen seiner mangelnden Erfahrung
misstrauisch werden könnten.
Als die Zahl 356 am 17. Juni 1947 das erste Mal zu Papier gebracht wurde, saß Professor
Porsche noch im Gefängnis. Bis zur Entlassung seines Vaters im August,
blieb es also Ferry Porsche überlassen, die Firma durch einige ihrer wohl
schwierigsten Tage zu steuern. Erste Zeichnungen für den 356 Prototypen
wurden im Juni fertiggestellt, und das Fahrgestell setzte sich, von Ferry Porsche
gelenkt, erstmals im darauf folgenden März in Bewegung.
Der erste Porsche-Sportwagen
Dieser erste Porsche-Sportwagen mit der Fahrgestellnummer 356-001 war von deutlich
anderer Art als die späteren Serienversionen. Er wurde auf dem provisorischen
Betriebs- gelände, einem ehemaligen Sägewerk im Österreichischen
Gmünd in Kärnten hergestellt, hatte ein Rohrrahmen-Fahrgestell,
eine glatte und Windschlüpfrige Karosserie mit offenem Fahrgastraum
und den 1131 cm³ Motor vom Volkswagen Käfer in Mittelmotoranordnung
mit nach hinten ins Fahrzeugheck ragendem Getriebe. Zunächst verfügte
der Prototyp über 40 PS Motorleistung. Trotz der schlechten Qualität
der damals in Österreich verfügbaren Kraftstoffe konnten sowohl
Ferry Porsche als auch Professor Eberan von Eberhorst (vor dem Krieg Entwicklungsingenieur
bei Auto Union) den Wagen testen, und beide waren gleichermaßen zufrieden.
Einschließlich der Drehstabfederung und des Lenkgetriebes stammten
praktisch alle Komponenten vom Volkswagen. Die wohlgeformte, geschwungene
Karosserie aus einer Alulegierung war ein Entwurf von Erwin Komenda. Sie
wurde innerhalb von nur zwei Monaten von Meister Friedrich Weber in Handarbeit
hergestellt. Dieses unschätzbare Mitglied des Porsche-Teams lernte die
Kunst des Karosseriebaus bei Austro-Daimler zu der Zeit, als Ferdinand Porsche
zum Vorstand dieses Unternehmens gehörte.
Waren die großen Handwerklichen Fähigkeiten seine Stärke, lag
sein schwacher Punkt in einer gewissen Zuneigung der Flasche gegenüber,
die gelegentlich die Produktion in Gmünd zum erliegen brachte……

Der Geburtsort des 356
ein ehemaliges Sägewerk
im österreichischen Gmünd
Nachkriegs-Probleme bei der Herstellung
Trotz der während des Baus vorherrschenden schwierigen Umstände – sogar
Zündkerzen mussten von Deutschland nach Österreich geschmuggelt werden – wurde
der allererste Porsche, dessen Höchstgeschwindigkeit im Bereich von 130
km/h lag, am 8.Juni 1948 fertig gestellt. Er erhielt das amtliche Kennzeichen
K 42586 und wurde beim Schweizer Grand-Prix der Automobil Fachpresse vorgestellt.
Bereits wenige Wochen danach erzielte Herbert Kaes, ein Cousin von Ferry, mit
diesem Wagen am 11.Juli, bei einem kleineren Straßenrennen in Innsbruck
einen viel versprechenden Klassensieg. Dieser Auftrieb war dem Unternehmen,
das sich bei seinen Bemühungen, Autos zu produzieren, kaum vorstellbaren
Schwierigkeiten gegenübersah, nur allzu willkommen.
Eng ging es in dem alten Gmünder Sägewerk zu, und es lag meilenweit
vom nächsten Bahnanschluss entfernt. Es gab Probleme mit der Kapitalbeschaffung
und dem Nachschub von Rohmaterialien und Komponenten. Viele der für die
Herstellung und Montage der Fahrzeuge benötigten Werkzeuge waren nach
dem Krieg „verschwunden“. Nach und nach bekam man diese Probleme
aber in den Griff. Ferry Porsche handelte sich mit VW Chef Nordhoff die regelmäßige
Belieferung mit Teilen aus, und sicherte sich Lizenzgebühren für
jeden produzierten Käfer. Im Juni 1948 wurde die alte Reichsmark durch
die Deutsche Mark ersetzt, die Wirtschaft wurde dereguliert, und es galten
wieder die Gesetze des freien Handels.
Während die Produktion in Österreich allmählich weiterging,
untersuchte Ferry die Möglichkeit in Stuttgart eine Produktionsmöglichkeit
einzurichten. Die ursprüngliche Porsche Fabrik in Stuttgart-Zuffenhausen
war noch von den Amerikanern beschlagnahmt, weshalb Porsche ein kleines Gebäude
direkt nebenan mietete und sich weitere Räumlichkeiten beim Karosseriebauer
Reutter sicherte. Dies erwies sich als ein für beide Teile sehr vorteilhaftes
Arrangement, wurde doch mit Reutter ein Vertrag für den Bau der Karosserien
für eine erste Serie von 500 Fahrzeugen abgeschlossen.
Gleichzeitig wurde die Fa. Gläser mit dem Bau der Cabrio Versionen beauftragt.
Um die Produktion zu vereinfachen, wurden die Reutter und Gläser Karosserien,
abweichend von den in Gmünd gebauten, in Stahl hergestellt. Es gingen
bald Bestellungen aus Holland, Portugal, Schweden und der Schweiz ein. Durch
die strengen Importbestimmungen konnten diese nicht direkt erledigt werden,
aber das Unternehmen hatte zumindest eine Perspektive.
Debüt des Porsche 356 auf dem Genfer Automobilsalon
Als der Porsche 356 auf dem Genfer Automobilsalon im Frühjahr 1949 debütierte,
konnte man bereits eine Reihe von Verkäufen an wichtige Persönlichkeiten
verzeichnen, unter anderen an den Prinzen Abd el Moneim. Der Wagen fand sowohl
in der Presse als auch in der Öffentlichkeit ein durchwegs positives Echo,
war der neue Porsche doch – abgesehen vom Käfer , auf dem er basierte – so
gänzlich anders als alles was ihm vorausgegangen war.
Er war in der Tat eine Offenbarung, sein Design eine Herausforderung der Vorstellungen,
die man von konventionellen Sportwagen hatte. Der Motor war an der „falschen“ Stelle
und hatte keine Wasserkühlung, Kotflügel und Scheinwerfer waren in
die Karosserie integriert, es gab vorne keinen verchromten Kühlergrill,
und die gesamte, weitgehend an der Aerodynamik orientierte Formgebung, bewirkte
trotz des kleinen Motors vergleichsweise hohe Fahrleistungen.
Der Porsche 356 weicht seinem Nachfolger
In den nächsten 15 Jahren wurde der 356 stetig weiterentwickelt, bis seine
Tage gezählt waren und er dem Nachfolger 911 weichen musste, einem weiteren
Porsche Klassiker, der wie heute jedem bekannt ist, eine unglaubliche Erfolgsgeschichte
beschreibt.
Dies ist jedoch die Geschichte des Porsche 356, eines Automobils, das für
viele der klassische und echte Porsche schlechthin ist.
Insgesamt wurden von 1948 bis 1966, 79.200 Fahrzeuge des 356, als Coupe, Cabriolet und Speedster gebaut, 49 Stück davon in Österreich (GmünderFahrzeuge) von 1948-1951



